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14.07.2026

#Gefördert: Zuhörraum – Demokratie beginnt im Zuhören

Der Zuhörraum des momo hört zu e.V. ist ein Ort für Begegnung und gegen die wachsende Einsamkeit und Polarisierung der Gesellschaft. Ausgebildete MOMO-Zuhörer*innen bieten ohne Termin aktives Zuhören an – kostenlos, für alle und unabhängig von Herkunft, Bildung oder sozialem Status.

Etwas deplatziert wirkt das kleine Holzhäuschen, das mitten in München frei auf dem Stephansplatz steht. Warmes Licht scheint aus der Tür, zu der eine barrierefreie Rampe hinaufführt. Auf der mintgrünen Holzfassade formen Großbuchstaben das Wort „Zuhörraum". Was aussieht wie die verspielte Interpretation einer Gartenlaube, ist tatsächlich eine Kampfansage an die Einsamkeit: ein Ort für Begegnung im öffentlichen Raum. Logisch, dass ein solcher Bau zuerst Aufmerksamkeit erregen muss und vor allem eines ausstrahlen soll: Hier bist du willkommen.

Initiiert hat den Zuhörraum Michael Spitzenberger. Mit seinem Herzensprojekt setzt er der in Deutschland waschsenden Einsamkeit etwas entgegen. Er liebt es, Menschen zu verbinden – und genau das brauchen wir in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft. Verbindung entsteht durch Begegnung, durch Zuhören, dadurch, dass man einander wahrnimmt.

Dafür initiierte Spitzenberger den gemeinnützigen Verein momo hört zu e.V., der mit rund 40 ehrenamtlich Engagierten montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr den Zuhörraum öffnet – kostenfrei und für alle, unabhängig von Herkunft, Bildung oder sozialem Status. Die Ehrenamtlichen bieten aktives Zuhören an: bewertungsfrei und empathisch. Es gibt kostenlos Wasser, wahlweise einen Espresso – Ratschläge und Tipps jedoch nicht, und ein Ersatz für ein psychologisches Gespräch ist das Format ausdrücklich ebenfalls nicht.

Links der Innenraum mit großem ovalem Fenster und einer roten Theke; rechts der mintgrüne Zuhörraum-Pavillon neben einer verglasten Gebäudefassade.
Ein geschützter Ort mitten in der Stadt: der Zuhörraum von außen und innen.

Aktives Zuhören meint dabei eine Haltung, keine Gesprächstechnik. Die Ehrenamtlichen schenken ihre volle Aufmerksamkeit, halten Blickkontakt und lassen das Gesagte stehen, ohne es zu bewerten. Sie unterbrechen nicht, deuten nichts und drängen zu nichts – höchstens stellen sie einmal eine Verständnisfrage. Diese Haltung erlernen die Zuhörer*innen im sogenannten MOMO-Training. Der Vereinsname verweist auf die Romanfigur Momo von Michael Ende, deren Gabe es ist, so zuzuhören, dass Menschen im Erzählen selbst zu ihren Gedanken und Lösungen finden. Genau das erleben viele Gäste: Nicht ein guter Rat verändert etwas, sondern das Gehörtwerden.

Denn viele haben verlernt, sich mitzuteilen. momo schafft Räume, in denen genau das wieder möglich wird. Was die Gäste im Zuhörraum erzählen, bleibt anonym, und dieser geschützte Rahmen wirkt: „Hier darf ich einfach sein – ohne mich erklären oder rechtfertigen zu müssen", beschreibt ein Gast das Erlebnis. Die Menschen erzählen aus ihrem Leben, werden etwas los, teilen ihr Glück oder das, was ihnen auf der Seele brennt. So banal das klingen mag – für den einzelnen Menschen kann es von großer Bedeutung sein und dem Leben eine neue Richtung geben. „Hier werde ich gehört und gesehen – so entsteht Vertrauen, das weit über dieses Gespräch hinauswirkt", sagt eine andere Stimme aus dem Zuhörraum. So wächst die Community seit Projektbeginn stetig.

Frau mit rosa Strickjacke lächelt einer ihr gegenübersitzenden Person zu, im Hintergrund eine helle Holzwand.
Zuhören auf Augenhöhe – Zeit und Aufmerksamkeit für das, was gerade wichtig ist.

Dieses Vertrauen ist mehr als ein schönes Nebenprodukt. “momo hört zu“ arbeitet gemeinnützig, bildet Zuhörer*innen aus und entwickelt Formate für Teilhabe und ein demokratisches Miteinander – vom Zuhörraum über Workshops (u. a. an der TU München, der LMU und bei der Caritas) bis zum MOMO-Training. Dahinter steht eine Überzeugung: Zuhören führt zum gehört werden und damit die Grundlage für Dialog, Verbindung und Veränderung – letztlich für eine Demokratie, die erst im einander Zuhören und miteinander Reden entsteht. Eine Rückmeldung aus dem MOMO-Training bringt es auf den Punkt:

„Es ist ein Training, das nicht belehrt, sondern befähigt: Jede*r erlebt, dass Demokratie mit dem eigenen Beitrag beginnt – durch Präsenz, Dialog und Respekt."

So wird aus dem einfachen Akt des Zuhörens ein Beitrag zu Mitbestimmung, Zusammenhalt und Verständigung in einer vielfältigen Gesellschaft.

Lächelnde Frau in rosa Strickjacke steht in der offenen Tür eines mintgrünen Holzpavillons mit der Aufschrift „Zuhörraum" auf einem gepflasterten Platz.
Immer ein offenes Ohr: eine ehrenamtliche Zuhörerin von momo hört zu e.V. vor dem Zuhörraum.

Orte wie den Zuhörraum nennen wir bei der GLS Treuhand „Wärmeorte". Wir brauchen noch viel mehr davon in unserer Gesellschaft und freuen uns sehr, dieses Projekt mit einer Förderung aus unserer Dachstiftung für Individuelles Schenken zu unterstützen.

Wenn auch Sie gesellschaftliche Wirkung möglich machen möchten, können Sie sich in unserem Bereich „Stiften, Schenken & Vererben" informieren. Dort erfahren Sie, wie Sie mit einer eigenen Stiftung, einem Stiftungsfonds, einer Spende oder einem Testament langfristig Gutes bewirken – und welcher Weg am besten zu Ihnen und Ihrem Anliegen passt.

Text: Florian Dürkopp

Links ein mintgrüner Holzpavillon mit rundem Fenster in der Abenddämmerung unter Bäumen; rechts der holzverkleidete Innenraum mit einer roten Sitznische.
Klein, warm und einladend – Raum für ein Gespräch unter vier Augen.

Ihr Kontakt

Katrin Schubert aus der Kommunikation der GLS Treuhand

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