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#Gefördert: Weil jede*r eine berufliche Perspektive braucht
06.10.2026
Wollen geflüchtete Menschen dem deutschen Staat auf der Tasche liegen? Das Team vom Asylzentrum Tübingen weiß, wie viele weitere vergleichbare Einrichtungen, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Mit der Bewerbungswerkstatt unterstützt das Zentrum Geflüchtete ungeachtet ihres Aufenthaltstitels beim Einstieg in ein selbstbestimmtes (Arbeits-)Leben.
Seit zehn Jahren sind einmal in der Woche die ehrenamtlich Engagierten des Asylzentrums Ansprechpartner*innen der „Bewerbungswerkstatt für Geflüchtete“. Zusammen mit den Interessierten verfassen sie Lebensläufe und Bewerbungsschreiben, geben Rat und nutzen ihre Netzwerke für die Vermittlung. Darüber hinaus verbessern Sprachkurse sowie weitere Qualifizierungsangebote die Chancen, bald den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Das besondere an diesem Projekt ist, dass der Asylzentrum Tübingen e.V. seine langjährige Erfahrung in der Arbeitsmarktintegration mit aufenthaltsrechtlicher Beratung und der Aufenthaltsverstetigung verknüpft.
Diese Kompetenz und das Engagement des Teams zeigen Wirkung – das Angebot führt zum Erfolg für alle Seiten:
Herr K. aus der Ukraine
Seit November 2025 nimmt K. an der Bewerbungswerkstatt teil. Der gelernte Bäcker kam 2023 aus der Ukraine nach Deutschland. Sprachkenntnisse nach B1-Niveau kann er bereits erfolgreich nachweisen, doch sein ukrainisches Bäckerdiplom muss noch bei der Handwerkskammer anerkannt werden. Parallel dazu begleitet das Asylzentrum Herrn K. bei der Stellensuche und vermittelt Bewerbungsgespräche mit verschiedenen Bäckereien in Tübingen.
Die gemeinsamen Bemühungen sind schließlich erfolgreich: Nach mehreren Angeboten und einem Praktikum kann Herr K. ab Herbst 2026 wieder als Bäcker arbeiten.
Frau U. aus Eritrea
Seit ihrer Einreise nach Deutschland 2022 und der Erteilung eines humanitären Aufenthaltstitels arbeitet U. mit großem Engagement an ihrer beruflichen Integration. Ihr langfristiges Ziel ist es, ihren fünf in Eritrea lebenden Kindern eine gemeinsame Zukunft in Deutschland zu ermöglichen. Ihr Berufswunsch: Sozialpädagogische Assistentin.
2025 schaffte es das Asylzentrum in Zusammenarbeit mit dem Projekt „KITA Lingua“ der Universität Tübingen, den eritreischen Schulabschluss anerkennen zu lassen. Und auch wenn der weitere Weg weiterhin steinig war: Im Sommer 2026 findet Frau U. schließlich einen Kindergarten als Praxisstelle und kann ab September 2026 die Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistenz in Tübingen absolvieren.
Kürzungen gefährden Fortbestand
Trotz aller Erfolgsgeschichten: Die Integration geflüchteter Menschen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist weiterhin mit großen Herausforderungen verbunden. Neben der angespannten Lage des Arbeitsmarkts erschweren Kürzungen bei Integrationskursen sowie zunehmend restriktive asylrechtliche Rahmenbedingungen den Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung. Ganz konkret gefährden aktuell auch Kürzungen im kommunalen Bereich den weiteren Betrieb der Bewerbungswerkstatt im Asylzentrum Tübingen.
Die Förderung aus unserer Dachstiftung für individuelles Schenken stabilisiert das Angebot in diesem Jahr.