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#Gefördert: Sprechen & Zuhören - Grundpfeiler der Demokratie
05.06.2026
Vier Minuten reden, je vier Minuten den anderen zuhören. Und auf einmal wird aus Empörung Offenheit, aus Unverständnis Empathie. Der Verein Mehr Demokratie hat das Dialogformat Sprechen & Zuhören entwickelt. Vorständin Claudine Nierth verrät, wie es zustande kam und welchen Effekt es auf die Debattenkultur hat.
Wie ist Sprechen & Zuhören entstanden?
Während der Corona-Pandemie haben wir gemerkt, dass wir nicht mehr miteinander reden können. Wir begannen mit moderierten Küchengesprächen online, nur für uns. Als dann Russland die Ukraine angriff und sich Unsicherheit verbreitete, gaben wir dem Format einen Namen und bieten seitdem Sprechen & Zuhören öffentlich an.
Was ist das Besondere am Format?
Wir bringen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven in den Austausch. Wir fragen nicht, was eine Person über ein Thema denkt, sondern wie es ihr mit dem Thema geht. Jede Person spricht dadurch über sich und nicht über andere. Sie bekommt vier Minuten ohne unterbrochen oder kommentiert zu werden. Das schafft Respekt.
Gibt es einen Vorher- und Nachher-Effekt?
Ja. Vorher fühlen sich die Menschen oft gestresst und alleingelassen mit ihren Sorgen. Nach den Dialogen fühlen sie sich offener und verbundener.
Was hat das mit eurer Arbeit für die Demokratie zu tun?
Die Landesregierung von Brandenburg wurde auf uns aufmerksam und hat uns beauftragt, diese Dialoge demokratiestärkend in Gemeinden und Städten durchzuführen. Inzwischen machen wir das bundesweit. Meist zu politischen Themen.
Wie entsteht das Gefühl der Spaltung in der Gesellschaft und wie verändert sich dieser Eindruck durch den Dialog?
Wenn andere Menschen Dinge sagen, die uns nicht gefallen, gehen wir oft auf Distanz und meiden Menschen, die uns triggern könnten. Wir umgeben uns lieber mit Unseresgleichen. Diese Fragmentierung beobachten wir in Familien, in Belegschaften und gesellschaftlich. Unsere Dialoge bringen Menschen wieder zusammen.
Wo kann man an Sprechen & Zuhören selbst teilnehmen?
Wir kommen auf Einladung. Und bieten einmal im Monat Sprechen & Zuhören online an. Zudem geben wir Schulungen für die Anleitung des Formats.
Was ist euer bisheriges Resümee und was wünscht ihre euch für die Zukunft des Formats?
Bürgermeister laden uns in Gemeinden ein, auch große Handelsketten kommen auf uns zu, um Sprechen & Zuhören mit ihren Mitarbeitenden zu machen. Es gibt Bedarf, gerade bei schwierigen Themen. Wir wünschen uns, dass Sprechen & Zuhören eine Methode ist, die zur sozialen Kompetenz beiträgt.
Förderpartner*in Mehr Demokratie e.V.
Gefördert von Dachstiftung für individuelles Schenken
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