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#Gefördert: Ein Angebot, das Leben retten kann
10.07.2026
Im deutschen Gesundheitssystem gibt es keine niedrigschwelligen Angebote für Menschen ab 26 Jahre mit Suizidgedanken. Diese Lücke schließt das Programm MANO, organisiert durch den gemeinnützigen Verein Niedrigschwellige Suizidprävention e.V.
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass jährlich über 10.000 Menschen Suizid begehen. Das sind dreimal mehr als durch Verkehrsunfälle sterben und die Tendenz steigt seit Jahren. Dennoch ist das Thema gesellschaftlich wenig beachtet und spezialisierte Hilfen sind – insbesondere im niedrigschwelligen Sektor – rar. So gibt es zwar Online-Hilfsangebote für suizidgefährdete junge Menschen, doch bis 2023 fehlte eine solche Anlaufstelle für über 25-Jährige.
„Fast alles andere im Internet ist für Menschen bis 25. Man geht wohl davon aus, dass man mit über 25 Jahren fest im Leben steht und sowas wie Krisen oder Suizidgedanken nicht mehr hat.“ - Feedback aus der MANO-Beratung
Die Onlineberatung MANO bietet seit drei Jahren eine einfach erreichbare, komplett anonyme Online-Hilfe für Menschen ab 26 Jahren in einer suizidalen Krise. Das Besondere an MANO ist, dass die Beratung ausschließlich durch speziell ausgebildete und eng begleitete Ehrenamtliche durchgeführt wird. Konzeptionelles Vorbild ist dabei das Angebot „[U25]“, die seit 2002 bestehende und wissenschaftlich evaluierte Online-Beratung für suizidgefährdete Jugendliche. Sie arbeitet ebenfalls mit ehrenamtlichen Berater*innen und baut eine Beratungsbeziehung auf, die vor allem von Augenhöhe und Echtheit geprägt ist.
„Danke für Ihre Nachricht. Ich bin so froh, dass Sie meine Situation nicht verharmlosen und dass Sie mich nicht dafür verurteilen, dass ich Suizidgedanken habe.“ - Feedback aus der MANO-Beratung
Bislang hat MANO über 220 Menschen mit Suizidgedanken beraten und zählte dabei über 3.200 Beratungskontakte, was eine besonders wirksame, länger andauernde Beratungsbeziehung nahelegt. Die suizidgefährdeten Menschen können sich so in ihrem Tempo öffnen, Vertrauen aufbauen und dann gemeinsam mit der Beraterin oder dem Berater nach Wegen zurück ins Leben bzw. in professionelle Hilfen vor Ort finden.
„Es hat mich berührt, zu lesen, dass es dir nicht egal ist, ob ich lebe oder tot bin. Das war schön zu lesen, auch wenn du mich ja gar nicht ‚in Echt‘ kennst…“ - Feedback aus der MANO-Beratung
Nachfrage übersteigt Angebot bei Weitem
Aktuell sind bei MANO 34 ehrenamtliche Berater*innen aktiv, die für suizidgefährdete Erwachsene aus ganz Deutschland da sind. Wenig überraschend übersteigt die Nachfrage dauerhaft das momentan machbare Angebot. Das bedeutet konkret, dass der Zugang zur Beratungsregistrierung für neue Ratsuchende in durchschnittlich 90% der Zeit geschlossen ist, da alle Berater*innen bereits in Beratungen gebunden sind.
2026 fördert die von der GLS Treuhand verwaltete Mekriba Stiftung das Programm und ermöglicht die Ausbildung von insgesamt rund 30 neuen ehrenamtlichen Berater*innen. Somit können in naher Zukunft deutlich mehr Menschen eine niedrigschwellige Beratung erhalten. Die Mekriba Stiftung setzt sich für die Prävention sexualisierter Gewalt, die Veränderung von Strukturen, die solche Gewalt ermöglichen, und für die die Unterstützung von Betroffenen ein.
„Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, sind oft schwer traumatisiert; sie leiden unter anderem unter Depressionen und Angststörungen und sind deshalb deutlich häufiger von Suizidgedanken betroffen. Mit ihrer Beratung leistet MANO für sie eine existenzielle Hilfe, die staatlich abgesichert werden sollte.“ - Friederike Holland, Gründerin und Stifterin der Mekriba Stiftung
Wie viele dringend benötigte Gesundheitsangebote ist auch die Finanzierung der MANO Suizidprävention nicht dauerhaft gesichert. Inwiefern das Programm im kommenden Jahr aufrechterhalten werden kann, ist noch ungewiss. Der gemeinnützige Verein freut sich daher über weitere Unterstützer*innen.
Bei akuten Suizidgedanken ist schnelle Hilfe wichtig. Eine mögliche Anlaufstelle ist auch die TelefonSeelsorge.