Erlebbare Lokalgeschichte:
Stadtteil-Historiker stellen Ruhrgebietsprojekte vor
Bochum, 23.11.2021
Zwei Jahre haben 18 Stadtteil-Historiker*innen aus dem Ruhrgebiet mit finanzieller und fachlicher Unterstützung recherchiert, geforscht und malocht. Auf der feierlichen Abschlussveranstaltung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum stellten sie nun ihre Arbeiten aus sechs Städten des Ruhrgebiets vor. Mit dabei waren Vertreter*innen der Kooperationspartner, die das Programm tragen, wie die Gerda Henkel Stiftung und die Bürgerstiftung Duisburg.
Abschluss-Broschüre
Lokalgeschichte sehen, hören und erleben — so könnten die Projektergebnisse überschrieben werden, die sich in vielfältiger Weise präsentieren: als Fotos, Wanderrouten, Bücher, digitale Fahrradkarten, Interviews, Videos, Blogs oder sogar Rezepte zum Nachkochen.
Erarbeitet wurden diese Ergebnisse nicht in einem Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern von Laien-Historiker*innen aus der Mitte der Gesellschaft. Sie alle folgten 2019 mit Erfolg dem Aufruf der GLS Treuhand und Partner*innen, sich auf das Förder-Stipendium im Projekt Stadtteil-Historiker Ruhrgebiet zu bewerben.
Auf der Abschlussveranstaltung wurde nun die Arbeit der Stadtteil-Historiker gewürdigt. Neben der Präsentation der Projekte wurde auch erstmals die Broschüre Stadtteil-Historiker Ruhrgebiet 2019 - 2021 vorgestellt. Sie gibt einen Überblick über die Stipendiat*innen, die Motivation und die Forschungsgegenstände.
Alle Ergebnisse stehen damit ab sofort der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Sie geben unter anderen Einblick in die 100-jährige Radfahr-Entwicklung in Bochum, den Heimatbegriff aus Migrantinnen-Sicht in Duisburg oder die Geschichte der jüdischen Bankiersfamilie Hirschland während der NS-Zeit in Essen. Auch die Städte Dortmund, Dinslaken und Recklinghausen gehören zu den Forschungsorten.
„Mit Freude und Respekt sehen wir die Ergebnisse der engagierten Stadtteil-Historiker! Sie fördern spannende Lokalgeschichten für die Öffentlichkeit zu Tage, die bislang unbekannt sind oder schlicht übersehen wurden. Die Erkenntnisse stiften geschichtliche Identität für alle. Lokal- und Regionalgeschichte ist der Kitt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt heute“ begründet Dr. Hermann Falk, Vorstandsmitglied der GLS Treuhand, das Engagement des Vereins.
Projektkoordinator PD Dr. Dietmar Bleidick ergänzt: „Historisches Wissen findet sich in allen gesellschaftlichen Schichten und Altersstufen. Abseits der Museen bleiben solche Kenntnisse jedoch meist einem kleinen Kreis vorbehalten. Die Stadtteil-Historiker erweitern den Blick auf wichtige Entwicklungen und Zusammenhänge und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum historischen Verständnis der Region Ruhrgebiet.“
Hinweise für die Presse
Umfangreiche Pressematerialien mit Bildern, Portraits der Forschungsprojekte sowie die Abschlussbroschüre der Stadtteil-Historiker Ruhrgebiet erhalten Sie im Pressebereich. Sie sind herzlich zur Abschlussveranstaltung am 23.11.2021, 17 bis 18 Uhr, im Bergbaumuseum Bochum eingeladen. Bitte beachten Sie die 2G+ Regel. Weitere Information in der Presseeinladung.
Über die Stadtteil-Historiker
Die Durchführung der Stadtteil-Historiker im Ruhrgebiet ist eine Kooperation von Gerda Henkel Stiftung, Bürgerstiftung Duisburg, Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, Ruhr Museum und GLS Treuhand. Für das Projekt Stadtteil-Historiker brachten die Kooperationspartner*innen insgesamt 27.000 Euro auf. Mittels Juryentscheid wurden 2019 aus zahlreichen Bewerbungen 18 Stipendien vergeben. Jede*r Stadtteil-Historiker*in erhielt ein Recherchebudget in Höhe von 1.500 Euro und eine fachliche Begleitung durch den Projektkoordinator PD Dr. Dietmar Bleidick. Entwickelt wurde das Projekt Stadtteil-Historiker von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.
Jurymitglieder
Klaus Becker, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Duisburg; Prof. Dr. Stefan Berger, Direktor des Instituts für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets; Dr. Hermann Falk, Vorstandsmitglied der GLS Treuhand, Bochum; Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums, Essen; Dr. Angela Kühnen, Vorstandsmitglied der Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf
Über den GLS Treuhand e.V.
Die GLS Treuhand fördert mit Ideen und Geld gemeinnützige Vorhaben für eine aktive, demokratische und offene Bürgergesellschaft. Sie unterstützt mit ihren Stiftungen soziale, ökologische und kulturelle Lern- und Entwicklungsfelder. Daneben verwaltet und berät sie unselbständige und selbständige Stiftungen. Durch Spenden, Schenkungen und Erbschaften förderte sie 2019 mit ihren zahlreichen Partner*innen rund 900 Projekte mit 16 Millionen Euro.
Die Jury
![]() | Klaus Becker | Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Duisburg |
![]() | Prof. Dr. Stefan Berger | Direktor des Instituts für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets |
![]() | Prof. Dr. Heinrich Theodor Grütter | Direktor des Ruhr Museums, Essen |
![]() | Dr. Angela Kühnen | Vorstandsmitglied der Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf |
![]() | Dr. Hermann Falk | Vorstandsmitglied der GLS Treuhand, Bochum |
Stimmen aus dem Projekt
Klaus Becker, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Duisburg
„Die Duisburger Bewerbungen haben mich nicht nur aus Liebe zur Heimatstadt besonders fasziniert, sondern auch wegen ihrer Bandbreite. Damen und Herren im Alter von 28 bis 70 Jahren zeigen die vielschichte Entwicklung Duisburgs im Wandel der Zeit. Einzelne Stadtteile, Friedhöfe, Denkmäler oder die Geschichte der Migration werden untersucht. Ein vielversprechendes Projekt, das wir gern begleiten.“
Prof. Dr. Stefan Berger, Direktor des Instituts für Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets
„Die Initiative Stadtteil-Historiker beginnt damit, eine wichtige Leerstelle in der Geschichtskultur des Ruhrgebiets zu füllen. Wir brauchen mehr Unterstützung für lokale Initiativen, die sich die Erforschung von Aspekten der Geschichte ihrer unmittelbaren Lebensumgebung widmen. Dies kann durchaus aufbauen auf eine starke Tradition einer breiten Geschichtskultur in der Region, diese wiederum stärken und dazu beitragen, eine Geschichtskultur ‚von unten‘ in der Region weiter auszubauen – in Richtung einer Quartiers- und Nachbarschaftsgeschichte.“
PD Dr. Dietmar Bleidick, Projektkoordinator Stadtteil-Historiker Ruhrgebiet
„Die Stadtteil-Historiker sind etwas ganz Besonderes. Ihre Forschungen leben von persönlichen Erfahrungen und der Kenntnis des lokalen Umfeldes. Es geht ihnen um einen vielfach vergessenen Schatz - die ungeschriebene, ortsbezogene Geschichte der Menschen in ihrer Heimat.“
Dr. Hermann Falk, Vorstandsmitglied GLS Treuhand
„Jede Geschichte enthält ein Stück Identität, die durch die abschließende Präsentation für andere erlebbar wird. Nur durch den neugierigen Austausch erhalten wir uns eine offene Gesellschaft und gegenseitiges Verständnis. Das kann und muss Zivilgesellschaft gerade in Zeiten der Gegensätze leisten!“ begründet Hermann Falk, Vorstandsmitglied der GLS Treuhand, das Engagement des Vereins."




