Aktuelles
Endlich angstfrei in die Ferien
22.06.2023, Isabel Moormann
Für Kinder und Jugendliche mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist der soziale Umgang mit Gleichaltrigen oftmals mit Angst und Scham verbunden. Umso schöner, dass für die Betroffenen eine auf sie ausgerichtete Ferienfreizeit organisiert werden konnte – auch durch die Unterstützung des “Heute gemeinsam für Morgen” Stiftungsfonds aus der Dachstiftung für individuelles Schenken.
Starke Bauchschmerzen und das plötzliche Gefühl, AUF DER STELLE zur Toilette zu müssen, weil man starken Durchfall hat und den eigenen Stuhl nicht halten kann – diese unangenehme Vorstellung ist bittere Realität für Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Derartige Erkrankungen zeigen sich primär durch besagte Symptome und prägen maßgeblich den Alltag der Betroffenen. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen kann dies starke Stresssymptome auslösen – Niedergeschlagenheit, Ängste und weniger Lebensqualität beeinflussen ihre emotionale Entwicklung.
Die DCCV, der Selbsthilfeverband für die über 400.000 an CED erkrankten Menschen in Deutschland, veranstaltet aus diesem Grund alljährlich eine Ferienfreizeit, um betroffenen Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren eine angstfreie und schöne Zeit ohne Ausgrenzungen zu ermöglichen. Eine Zeit, in der sich die jungen Patient*innen nicht erklären müssen und neue Freundschaften knüpfen können.
“Bei den Kindern und Jugendlichen fällt die Auseinandersetzung mit der häufig tabuisierten und schambesetzten Darmerkrankung mit den Unsicherheiten der Pubertät und der Ausbildungswahl zusammen. Diese Unsicherheit und Ängstlichkeit hindert Kinder und Jugendliche mit einer CED daran, selbstbewusst mit ihrer Erkrankung umzugehen und Ärzt*innen gegenüber die schambesetzten Themen anzusprechen. Hier soll die Jugendfreizeit ansetzen. Die Akzeptanz der Erkrankung soll gestärkt bzw. überhaupt erst hergestellt werden und somit mündige Patient*innen schaffen, die sich verantwortungsvoll mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen.” – Thomas Leyhe, Vorsitzender der DCCV
So ging es in diesem Jahr für sechs Kinder und vier Betreuer*innen ins Sauerland nach Hachen, wo zahlreiche Freizeitaktivitäten unternommen wurden: Ob kniffliges Rätseln, kreative Waldspiele, ein Freizeitparkbesuch oder Klettern, Kegeln, hitzige Tischtennisrunden und ein Karaoke-Abschlussabend - es gab unglaublich viel zu erleben. Ein besonderer Tag dieser außergewöhnlichen Ferienfreizeit war der “Doctors Day” mit Aufklärungsangeboten für einen selbstbewussten Umgang mit der Erkrankung. Es gab Gespräche mit einer Psychologin und einem Kinderfacharzt sowie Austausch untereinander und mit den Betreuer*innen. Neben weiteren gemeinschafts- und kommunikationsfördernden Aktionen schweißten ein respektvoller, rücksichtsvoller Umgang, ernste Gespräche sowie gemeinsames Lachen und Träumen die Gruppe zusammen.
,,Für andere ist es eine Woche, für uns waren es Tage, wo wir lernen und leben durften. Zuerst kamen wir als Fremde an und gingen dann als Freunde fürs Leben. Dabei stand uns die Krankheit nicht im Weg, im Gegenteil. Sie half uns, und so verstanden wir uns auch, wenn wir nicht immer alles sagten. Wir nahmen das Gefühl von Verständnis und jede Menge an schönen Erinnerungen mit nach Hause. Ich freue mich, die anderen nächstes Jahr wiederzusehen und weitere Erinnerungen zu schaffen“, so eine junge Teilnehmerin.
Ein ergänzendes Wochenende im Juni 2023 soll auch die Eltern der Kinder weiterführend aufklären, damit diese wiederum ihre Kinder besser unterstützen können.
Über die DCCV
“Die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. ist der Selbsthilfeverband für die über 400.000 Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) in Deutschland. [...] Neben der persönlichen Beratung und Unterstützung von Betroffenen und ihren Angehörigen vermittelt die DCCV Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Ärzt*innen, Pflegepersonal, Krankenhäusern und Kurkliniken.”