Jahresabschluss

Das Jahr 2019 war für viele Menschen, Unternehmen und gemeinnützige Einrichtungen in Deutschland ein Jahr der Stabilität, der Zuversicht und sogar der Zufriedenheit. So auch für die GLS Treuhand, wenn man einen Blick in das Zahlenwerk wirft. Im konsolidierten Jahresabschluss, der sämtliche Treuhandstiftungen und andere Sondervermögen vereinigt, spiegeln sich auch einige Tendenzen der allgemeinen gesellschaftliche Entwicklungen:

  • Die Bereitschaft in der Bevölkerung für Zustiftungen und Spenden ist weiterhin auf hohem Niveau, ebenso das hierfür verfügbare freie Vermögen vieler Menschen. Auch profitiert die GLS Treuhand kontinuierlich von der landläufig so genannten Erbschaftswelle, die sich in 70 friedlichen Jahren seit Gründung des heutigen Deutschlands aufbauen konnte.
  • Es wird stetig schwieriger, das vorhandene Vermögen mit guter Aussicht auf eine sozial und ökologisch vertretbare Rendite sowie auf Kapitalerhalt anzulegen. Die Niedrigzinsphase wirkt sich auch im GLS Treuhand Anlageportfolio aus, wenngleich gedämpfter als bei vielen anderen Anleger*innen, da wir zumeist in direkter Beziehung zu den Darlehensnehmer*innen und kapitalsuchenden Unternehmen investieren (nur selten am öffentlichen Kapitalmarkt) und dabei höhere Risiken eingehen (können).

Wir möchten zudem über treuhandspezifische Entwicklungen berichten:

  • Wir verfolgen in unserem Verein und den um ihn gruppierten Treuhandstiftungen den Weg, unsere Effizienz zu verbessern. Wir verstehen darunter im Vermögensmanagement vor allem, mehr in gut qualifizierte Mitarbeitende zu investieren. Gleichzeitig wollen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen.
  • Dass uns viele Menschen Geld und Ideen zur gemeinnützigen Zweckverwirklichung schenkweise übergeben, deutet auf ein ausgeprägtes Vertrauen in die GLS Treuhand hin. Dieses Vertrauen möchten wir durch einen sorgsamen Umgang mit dem Geld erwidern und stärken – auch durch eine geeignete Risikovorsorge. In unserer Bilanz ist sichtbar, dass wir an dieser Stelle mehr getan haben: Mehr Vermögen wurde in relativ sichere Grundstücke, Sparbriefe, Festgelder und auf dem Bankkonto angelegt. Verbindlichkeiten und Beteiligungen wurden hingegen leicht vermindert.

Im konsolidierten Jahresabschluss sind neben den Zahlen des Vereins GLS Treuhand die insgesamt 17 Sondervermögen, also vor allem die unselbständigen Stiftungen unter dem GLS Treuhand-Dach, zusammengefasst.

Konsolidierte Gewinn- und Verlustrechnung

(GLS Treuhand e.V., sämtliche Treuhandstiftungen und andere Sondervermögen, zum 31. Dezember 2019)

Mittelherkunft

Spenden und ähnliche Erträge

Die laufenden Mittel stammen überwiegend aus Spenden- und Zustiftungen, jedoch bleibt auch die Vermögensverwaltung eine wichtige Quelle der Finanzierung von gemeinnützigen Projekten. Erneut nahmen Spenden und ähnliche Erträge zu und erreichten mit 24,95 Mio. Euro einen Höchststand. Dies bedeutet im Vergleich zu 2018 ein Plus von 13,9 Prozent und zu 2017 von 21,1 Prozent. Hierin enthalten ist das ganze Spektrum der Schenkformen: zeitnah zu verwendende freie Spenden, Schenkungen unter Auflage, Erbschaften und Vermächtnisse sowie dauerhaft zu erhaltende Zustiftungen.

Sonstigen betriebliche Erträge

Die Steigerung der sonstigen betrieblichen Erträge von 54 T Euro auf 262 T Euro ist zu 135 T Euro der Auflösung einer Steuerrückstellung zuzuschreiben; unter anderem finden sich hier Auflösungen von sonstigen Rückstellungen, Mitgliedsbeiträge, periodenfremde Erträge und Beiträge der vom Verein GLS Treuhand e.V. verwalteten drei selbständigen Stiftungen sowie Sondervermögen des Vereins.

Nettoerträge

Die Nettoerträge (nach externen Kosten) aus der Vermögensverwaltung gingen leicht zurück auf 3,7 Mio. Euro. Bezogen auf das Gesamtvermögen der Sach- und Finanzanlagen konnte trotz der allgemein sinkenden Zinstendenz eine Ertragsquote von 3,5 Prozent in 2019 erreicht werden (Vorjahr 3,5 Prozent), jeweils vor internen Kosten.

Seit 2018 wird das Vermögen einer Reihe von Treuhandstiftungen und eines Teils des freien Vereinsvermögens unter dem Begriff GLS TREUGEA (TREUhänderisch GEmeinsam Anlegen) für ein effizienteres Management gebündelt. Von rund 135 Mio. Euro Gesamtvermögen unter dem Dach der GLS Treuhand, befanden sich im Jahresdurchschnitt 84,9 Mio. Euro und per Ende 2019 insgesamt 87,7 Mio. Euro in diesem gemeinsamen Vermögensmanagement. Rechtlich bleiben die einzelnen Sondervermögen getrennt, doch kann die Anlage nun tendenziell in größeren Tranchen erfolgen, so dass ein besseres Risiko-Ertrags-Verhältnis im Portfolio erreicht wird, was auch die Zinstalfahrt verlangsamen soll.

Mittelverwendung

Das der GLS Treuhand anvertraute Geld fließt zu gut 57 Prozent unmittelbar weiter an gemeinnützige Projekte, zu rund 30 Prozent wird es – dauerhaft oder zeitweise – dem Vereins-, Stiftungs- und Schenkungsvermögen zugeführt und zu 12,8 Prozent dient es den Mitarbeiter*inneneinkommen sowie den sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Anders als bei vielen anderen gemeinnützigen Organisationen üblich, wandelt die GLS Treuhand an dieser Stelle keine Personalkosten in Projektkosten um, sondern zeigt die volle Summe des Einkommens der Mitarbeiter*innen. Daher kann die hier genannte Sach- und Personalkostenquote von 12,8 Prozent nicht mit den von anderen Organisationen verglichen werden.

Die gemeinnützigen Projektförderungen stiegen um 15,4 Prozent auf 16,5 Mio. Euro. Davon wurden Zuwendungen an Dritte in Höhe von 16 Mio. Euro vergeben und 500.000 Euro für eigene gemeinnützige operative Projekte verwendet.

Mitarbeiter*innen-Einkommen

Das Mitarbeiter*innen-Einkommen stieg um 12,7 Prozent auf 2,5 Mio. Euro, was sich vor allem durch neu geschaffene Stellen und Stundenaufstockungen von Teilzeitverträgen erklärt, z.B. im Vermögensmanagement-Team, in der Kommunikationsabteilung sowie in der Zukunftsstiftung Entwicklung. Auch vereinbaren wir mit den Mitarbeitenden in der Regel eine etwas über der jährlichen Teuerungsrate liegende allgemeine Gehaltserhöhung und passen Einzelgehälter an, wenn Leistung und Quergerechtigkeit dies nahelegen.

Sonstigen betrieblichen Aufwendungen

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen konnten deutlich um 37,4 Prozent auf 1,2 Mio. Euro vermindert werden, obgleich beispielsweise höhere Ausgaben für externe Beratung durch eine Umstellung der Rechnungswesen-Software anfielen, sowie für das Rechtsmittelverfahren gegen die Finanzverwaltung aufgrund der geänderten Umsatzsteuerprüfungspraxis. Der Hauptunterschied entsteht durch die in 2018 eingestellte Steuerrückstellung in Höhe von 800 T Euro des Vereins für die Umsatzsteuer für die Jahre 2014 bis 2017, die so in 2019 nicht mehr anfiel.

Vereins-, Stiftungs- und Schenkungsvermögen

Im Sinne einer zukunftssichernden Geschäftsführung konnten wir mit 8,7 Mio. Euro um 18,7 Prozent mehr dem Vereins-, Stiftungs- und Schenkungsvermögen zuführen, als im Vorjahr. Diese Summe entsteht aus der Saldierung von Zuführungen und Auflösungen zu den freien Rücklagen des Vereins und der Stiftungen, zu den Schenkungen mit Auflagen und zu den sonstigen Rücklagen.  Maßgeblich hierfür ist vor allem der Vermögenszuwachs der Dachstiftung für individuelles Schenken mit 6,6 Mio. Euro und des Vereins von 812 T Euro in 2019.

Konsolidierte Bilanz

(GLS Treuhand e.V., sämtliche Treuhandstiftungen und andere Sondervermögen, zum 31. Dezember 2019)

Im Jahr 2019 konnte die Bilanzsumme um 5,9 Prozent erhöht werden (Vorjahr: +4,35 Prozent). Dies zeigt sich auf der Passivseite insbesondere durch das stark auf 107,4 Mio. Euro gestiegene Vermögen (2018: 99 Mio. Euro) sowie gestiegene Rückstellungen für zugesicherte Zuwendungen für Folgejahre. Auf der Aktivseite konnte dieses Vermögen für zusätzliche Finanzanlagen (gegenüber Vorjahr: +2,6 Prozent) genutzt werden, jedoch musste mangels genügend unseren Prüfkriterien entsprechenden Anlagemöglichkeiten mehr Geld auf den Bankkonten gehalten werden (gegenüber Vorjahr: +24,2 Prozent).

Mit einer Quote von Vereinsvermögen zu Bilanzsumme (entspricht der Eigenkapitalquote) von 79,5 Prozent (2018: 77,6 Prozent) steht die GLS Treuhand weiterhin stabil da.  
Das Verhältnis von Anlage- zu Umlaufvermögen liegt bei 84 Prozent zu 16 Prozent (Vorjahr: 85,9 Prozent zu 14,1 Prozent). Hier zeigt sich die erwähnte Tendenz, dass es nicht immer gelingt, zufließende Schenkungen zeitnah in Sach- oder Finanzvermögenswerten, die unseren Ansprüchen genügen, anzulegen.

Aktivseite

Forderungen

bspw. ausstehende Zinszahlungen aus Beteiligungen oder Wertpapieren.

Bankguthaben

Bestand aller Girokonten.

Sparbriefe und Festgelder

langfristige Spareinlagen bei der GLS Bank, im geringen Umfang auch bei anderen sozial-ökologischen Geldhäusern.

Wertpapiere

festverzinsliche Staats- und Unternehmensanleihen. Darüber hinaus sind depotverwahrte Genussscheine und sozial-ökologische Fonds enthalten.

Beteiligungen

Summe vieler einzelner sozial-ökologischer Beteiligungen. Darunter auch Genossenschaftsanteile und stille Beteiligungen an der GLS Bank.

Darlehen

Darlehen an gemeinnützige Einrichtungen sowie Nachrangdarlehen.

Grundstücke und Gebäude

zumeist ererbte Immobilien, die wir den Auflagen der Erblasser*innen entsprechend verwalten.

Aktive Rechnungsabgrenzung

erforderlich, wenn geleistete Zahlungen mehrere Jahre betreffen. Hier sind bereits 2019 für Folgejahre geleisteten Zahlungen ausgewiesen.

Passivseite

Vereins, Stiftungs- und Schenkungsvermögen

Das Vermögen setzt sich zusammen aus den freien Rücklagen des Vereins, dem Vermögen aller unselbständigen Stiftungen und Stiftungsfonds, den Schenkungen mit Auflagen und den sonstigen Rücklagen.

Widerrufbare Schenkungen

Bei widerrufbaren Schenkungen handelt es sich um Schenkungen, die unter bestimmten vertraglich vereinbarten Voraussetzungen widerrufen werden können.

Verbindlichkeiten aus Darlehen

Von Mitgliedern und Schenker*innen als Darlehen zur Verfügung gestellte Gelder, die – verzinst und unverzinst – an andere gemeinnützige Einrichtungen weitergereicht werden.

Nachlässe in Klärung

Noch in der Abwicklung befindliche Nachlässe, aus denen sich noch Zahlungsverpflichtungen ergeben können. Nochmals gestiegen sind auch solche Nachlasswerte, die wir zwar schon rechtlich beanspruchen dürfen, die sich aber noch in der Abwicklung befinden, z.B. weil einige Vermögenswerte bislang nicht exakt zu bewerten waren oder Vermächtnisse zur Auszahlung anstehen. In manchen Erbfällen bedeutet dies eine mehrmonatige, gar mehrjährige Tätigkeit, so dass wir aus Vorsichtsgründen einstweilen keinen Ertrag, sondern eine „Verbindlichkeit“ buchen.

Rückstellungen für zugesicherte Zuwendungen

In 2019 wurden Zuwendungsbeschlüsse in Höhe von 4,6 Mio. Euro gefasst, die jedoch antrags- oder plangemäß erst 2020 oder in Folgejahren zur Auszahlung kommen (2019: 3,5 Mio. Euro). Diese Summe kann zusammen mit der Summe der Projektfinanzierung in der Gewinn- und Verlustrechnung von 16,5 Mio. Euro gelesen werden, um die volle gemeinnützige Leistungskraft der GLS Treuhand von 21,1 Mio. Euro (2018: 17,8 Mio. Euro) mit einer Steigerung um 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auszudrücken.

Sonstiges Treuhandvermögen

Gelder, welche die GLS Treuhand aus sonstigen laufenden Treuhandvorgängen verwaltet.

Sonstiges

Summe aus Passive Rechnungsabgrenzung, Nießbrauch, Spendensammelkonten und sonstige Rückstellungen.

Jahresabschluss GLS Treuhand e.V.

(ohne treuhänderische Stiftungen)

Diese Übersicht zeigt den Jahresabschluss des Vereins GLS Treuhand im engeren Sinne. Die Einbeziehung von Vermögensbeständen einzelner treuhänderischer Stiftungen, die an GLS TREUGEA teilnehmen, erhöht seit 2018 unsere Bilanzsumme um ca. 71 Mio. Euro.

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Zur Übersicht des konsolidierten Finanzanlagevermögens und der Gemeinschaftsanlage GLS TREUGEA in 2019.
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